Eine kleine Geschichte zum nachdenken

Eine kleine Geschichte zum nachdenken

Ich habe hier eine kleine Geschichte aufgeschrieben. Sie steckt voller Widersprüche. Das soll nun genau so sein, denn sie soll zum nachdenken anregen…

Die eingesperrte Wölfin

Es war einmal eine Wölfin, offenherzig und lebensfroh, voller Vertrauen in die Welt und erfüllt von einer ansteckenden Freude. Doch die Wölfin war anders als die anderen Wölfe in ihrem Rudel. Sie war sensibel. Sie war mitfühlend. Sie war zart und verletzlich. Im großen und ganzen war sie etwas ganz besonderes. Sie hätte die Anführerin sein können, oder die Heilerin in diesem Rudel. Die anderen Wölfe jedoch verstanden sie nicht. Für sie benahm sie sich so gar nicht wölfisch. Sie fanden sie merkwürdig, so schwach. Ein Wolf muss stark sein. Was soll ein Rudel mit so einem Wolf anfangen, einem Wolf der weint. Und so taten sie das was Wölfe halt so tun. Sie jagten die Wölfin, sie bissen die Wölfin, sie überfielen sie nachts in ihrem Schlaf. Sie schubsten und beschimpften die zarte Wölfin, die sich nie wehrte und von daher ja gar kein richtiger Wolf sein konnte. Sie trieben sie in eine Schlucht, aus der sie nur schwer wieder heraus kam. So schlossen sie die Wölfin aus ihrem Rudel aus. So eine wie sie wollten sie nicht haben.
Da lief die Wölfin weit weit weg. Nie wieder wollte sie zu ihrem Rudel zurück. Sie schlotterte noch immer vor Angst. Hilflos irrte sie von einem Wald zum nächsten stets die Furcht im Nacken, ihr Rudel könnte sie aufspüren. Was würde es ihr diesmal antun? Sie war froh überhaupt noch am Leben zu sein. So lief und lief sie, Tage und Nächte, ohne zu fressen. Nur manchmal hielt sie kurz an einem Bach oder Fluss um schnell ein, zwei Schluck zu trinken. Dann rannte sie hastig weiter.
So kam sie dann nach einer langen Flucht in eine Stadt. Sie lief auf das höchste Gebäude zu. Es hatte sogar eine Zugbrücke und einen Graben herum. Das schien ihr sicher.
Unsicher betrat sie die Brücke. Vorsichtig, den Kopf eingezogen, Pfote um Pfote aufsetzend und langsamen Schrittes erreichte sie endlich das Tor. Am Tor stand ein alter Mann, der verträumt und müde in den Himmel schaute und sich am Gesang der Vögel erfreute. Erstaunt bemerkte er die Wölfin vor ihm. „Bist du ein entlaufender Hund, der von zu Hause geflohen ist, weil sein Herr ihn schlägt?“ fragte er die scheue Wölfin.
„Oh nein, Herr, ich bin eine Wölfin. Ich bin auf der Flucht vor meinem Rudel ist und bitte um Asyl. Bitte, Herr, sperrt mich ein in eurem tiefsten Kerker, im dunkelsten Winkel eurer Festung, dass die Wölfe mich nicht finden.“ Überrascht lauschte der alte Mann den Worten den scheuen Tieres. Er hatte ein großes Herz und spürte sofort die Not und auch die Freundlichkeit des wilden Tieres. „Selbstverständlich gewähre ich dir Asyl. Und ich werde dir jeden Tag persönlich dein Futter bringen. Du sollst es von nun an gut haben.“
Und so verbrachte die Wölfin von nun an den Rest ihres noch sehr langen Lebens im dunklen, feuchten Kerker. Sie sah nie wieder das Sonnenlicht, hörte nie wieder das fröhliche Zwitschern der Vögel oder das lustige Rauschen des Baches. Dafür war sie hier endlich sicher. Nie wieder wurde ihr so wehgetan.
– Was an dieser Geschichte ist falsch? –

© 2022 by Abraxandria

Und, was meint ihr? Was stimmt hier nicht? Was sollte anders sein? Wie sollte es stattdessen sein?

2 Gedanken zu „Eine kleine Geschichte zum nachdenken

  1. ich ändere den letzten Absatz
    Der Mann sagte zu der Wölfin „du brauchst hier nie mehr Angst haben, und du kannst dich hier überall frei bewegen. Wir sind durch einen Graben nach außen geschützt, und haben hier ein friedliches Leben“
    Die Wölfin konnte ihr Glück kaum glauben, und fiel nach den vielen Strapazen ihres Lebens erst einmal erschöpft in einen wohligen Schlaf, um danach ein neues Leben zu beginnen.

    Deine Geschichte – und die Idee dazu – sind wunderbar
    Lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

  2. Liebe Heidi,
    ich danke dir sehr für deine Worte und fürs mitmachen!
    Ich freue mich, dass dir meine kleine Geschichte gefällt.
    Das bedeutet mir echt viel!
    Ich mag deinen Schluss! :O
    Denn vor allem im Schluss war der Wurm drin. Im Verhalten / Denkansatz der Wölfin als auch des alten Mannes.
    Eine schöne Alternative hast du da geschrieben! Dankeschön!
    Liebe Grüße! :flower:

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