HSP – Was ist das?

HSP – Was ist das?

Seit einigen Jahren weiß ich, dass ich hochsensibel bin. Das hat einiges erklärt, warum ich wie reagiere. Es herausgefunden zu haben war erleichternd. Eine Freundin drückte mir damals ein Buch in die Hand, das sie gerade aus der Bücherei ausgeliehen hatte. Ich war erstaunt, dass so vieles auf mich passte.
Jetzt wo ich weiß dass ich hochsensibel bin, kann ich ganz anders damit umgehen und in belastenden Siuationen besser reagieren. Ich kann mich auf Stress vorbereiten. Ich sehe die Hochsensibilität inzwischen auch nicht mehr als Schwierigkeit an sondern als Gabe.
Ich habe so einige Bücher zu dem Thema gelesen, was sehr hilfreich war. Das kann ich nur jedem empfehlen, der meint ebenfalls betroffen sein zu können.

HSP ist übrigens die Abkürzung für „hochsensible Persönlichkeit“.
Was genau bedeutet das nun?
Vor allem bedeutet es, dass man weniger in Lage ist, zwischen den vielen Reizen, die auf einen am Tag einprellen, zu entscheiden, welche davon man für wichtig hält und wahrnehmen möchte. Stattdessen gibt es eine Flut von Reizen, die ungefiltert in einen hineinströmen. Es kommt also zu Reizüberflutung.
Folge davon ist, schnell in Stress zu geraten und Erschöpfung zu verspüren.
Ständige Reizüberflutung bringt einige Unterschiede im Erleben und Verhalten zu normal sensiblen Menschen mit sich. Oft fühlt man sich anders und unverstanden, vergleicht man sich mit ihnen.
Hochsensibilität ist keine psychische Störung. Meistens wird sie vererbt. 15-20 % der Menschen sind davon betroffen.

Merkmale von Hochsensibilität in Stichworten:
– Reizüberflutung
– erhöhte Aufmerksamkeit
– Aufmerksamkeit liegt mehr im Aussen als im Innen
– man bekommt viel mehr mit als andere, was um einen herum geschieht
– es wird einem schnell alles zu viel, man fühlt sich überfordert.
– man nimmt stärker über seine Sinne wahr als andere:
leidet mehr unter Geräuschen und Gerüchen,
bestimmte Oberflächen, wie Kleidungsmaterialien, können unangenehm sein
– auch Emotionen empfindet man stärker
– man neigt zum reflektieren, analysieren, hinterfragen und ausführlichen Nachdenken
– tiefgründig
– man braucht Pausen und Rückzug
– beeinflußbarer
– Stimmungen anderer Menschen wahrnehmen
– Neigung zum Perfektionismus
– kreativ, künstlerisch begabt
– Fantasie
– vielfache Interessen
– Liebe zur Natur
– sozial, mitfühlend
– Tierliebe
– harmoniesüchtig
– Blick fürs Detail und Freude am Detail
– bleiben gerne im Hintergrund

Ich habe mich viel mit dem Thema Achtsamkeit auseinandergesetzt. Achtsamkeit hilft, die Wahrnehmung zu konzentrieren, da immer nur eine Sache im Fokus steht. Achtsamkeit ist bewusste Wahrnehmung, Wahrnehmung über die Sinne. Ich empfinde es als meditativen Moment. Das Bewußtsein wird auf das Hier & Jetzt gelenkt. Übe ich mich in Achtsamkeit, so fühle ich mich klar, gesammelt, ruhig, wach und lebendig.
Ein anderer Punkt, der für mich immer wichtiger wurde, ist die Entspannung. Regelmäßige Momente der Stille und Ruhe in den Alltag einzubauen.

Wer online zu HSP einen Test machen möchte, dem empfehle ich folgende Seiten:
Sylvia Harke, Rolf Sellin, Georg Parlow, Ulrike Hensel sowie auch Elaine Aron.

An Literatur kann ich folgende Bücher weiterempfehlen:

  • Elaine Aron
    Sind Sie hochsensibel?
  • Rolf Sellin
    Wenn die Haut zu dünn ist
  • Rolf Sellin
    Bis hierhin und nicht weiter
  • Georg Parlow
    Zart besaitet
  • Sabine Dinkel
    Hochsensibel durch den Tag
  • Sylvia Harke
    Hochsensibel – Was tun?
  • Susan Marletta Hart
    Leben mit Hochsensibilität
  • Susan Marletta Hart
    Achtsam leben mit Hochsensibilität
  • Susanne Moeberg
    Ja, ich spüre mehr!
  • Susanne Moeberg
    Seelenschutz für Hochsensible

11 Gedanken zu „HSP – Was ist das?

  1. Also, wenn ich das hier so lese, im besonderen die Stichpunkte, die Du hier aufgeführt hast, könnte ich jetzt sagen, dass mindestens 90 % auch auf mich zutrifft.
    Wobei ich aber auch denke – ohne das infrage zu stellen – gerade bei Geräuschen z.B., dass viele Leute um mich herum einfach abgestumpft sind.
    Wenn ich nur den heutigen Tag nehme, da war wirklich nicht eine Minute mal Ruhe und krönende Abschluss war dann gegen Abend eine Trommler-Gruppe, die noch wenigstens eine halbe Stunde wie blöd auf ihre Trommeln eingeschlagen hat.
    Wenn mich das nervt, bin ich dann automatisch diejenige, die „einen Schaden hat“ oder sind es nicht eher die anderen, die ohne Krachmachen nicht mehr existieren können?
    Ich würde mich gerne mal mit jemandem darüber austauschen.
    Auf jeden Fall ist das ein sehr interessantes Thema.
    Liebe Grüße
    Jutta

  2. Mindestens 90%, das ist allerhand! Und damit, so lauten die Ergebnisse bei den Tests, ein Hinweis darauf, dass Du durchaus hochsensibel sein könntest.
    Wenn Du Dich näher über HSP austauschen möchtest, so würde ich das sehr gerne mit Dir tun! :) Ich habe schon mit vielen anderen hochsensiblen Menschen geredet, einen VHS Vortrag dazu besucht… und natürlich viel gelesen.
    Mach doch mal einen der online Tests, die ich vorgeschlagen habe!

    Dein Bericht über den Krach heute bei Dir klingt ja gar nicht gut. Das wäre für mich eine Quälerei gewesen, die mich sehr angestrengt hätte. Du arme! :hearts:
    Ich finde, Du hast recht damit, dass die anderen so furchtbar abgestumpft sind. Schlimm.
    Ich sehe das auch so und es belastet mich schon lange. Auch diese allgemeine Rücksichtslosigkeit und der Egoismus. Jeder ist nur noch mit sich selbst beschäftigt ohne Verantwortung dafür tragen zu wollen.
    Mir gefällt das alles nicht und ich leide darunter.
    Ich kann Dich so gut verstehen! Und glaube mir, Du hast bestimmt keinen „Schaden“!!!

    Ich grüße Dich ganz lieb! :love:
    Und wünsche Dir viele ruhige Momente und Tage!
    Alles Gute Dir! Und melde Dich gerne bei mir, wenn Du über HSP reden möchtest! Dann schauen wir mal, wie wir das gestalten, über Mail oder einen Chat…

    Abraxandria

  3. Sehr sehr interessant, liebe Abraxandria. Hochsensibilität ist ein Thema, das mir zwar bekannt war, aber ich nie wirklich verfolgt habe, da es mich oder Freunde von mir auch nicht betrifft. Aber da Du nun darüber berichtet hast, hast Du meine Neugieride geweckt. Viele der Dinge, die Du aufgeführt hast, passen haargenau auch auf den Junior, der an ADHS leidet. Er ist super tierlieb, oftmals reizüberflutet, vielerlei Interessen, Rückzug, beeinflußbar und auch fantasiereich sind Sachen, die auch auf den jungen Herren zutreffen. Kann denn die Hochsensibilität weiteres mit sich bringen, z. Bsp. ADHS oder kommt sie allein daher? Viele „Erkrankungen“ (ich weiß gerade nicht, wie ich es nennen soll, sorry) bringen häufig ja noch weitere mit. Eine kommt selten alleine…

    LG
    Sandra!

  4. Ich freue mich über Dein Interesse zu diesem Thema.
    HSP steht erst einmal für sich alleine, es muss an nichts gebunden sein. Und es ist definitiv KEINE Erkrankung.
    Es ist eine genetische Veranlagung. Es bezieht sich auf die Wahrnehmung und auf die Reizüberflutung.
    Allerdings ist mir bekannt, dass es auch in Zusammenhang mit Traumata und Autismus auftritt.
    Über ADHS weiß ich leider zu wenig. Dazu kann ich nichts sagen.

  5. Liebe Abraxandria,
    ich habe mir jetzt mal die Test durchgelesen. Die überwiegende Mehrheit der Fragen trifft nicht auf mich zu. Die Fragen sind einfach auch zu komplex, um sie mit „ja“ oder „nein“ beantworten zu können. Dann werden da auch grundverschiedene Dinge in einer Frage zusammengefügt, wie z.B. das Pfeifen einer Heizung, was mich sicher nerven würde – was ich aber auch für normal halte -, wo mich dagegen das Ticken einer Uhr überhaupt nicht stört.
    So geht es mir bei etlichen dieser Fragen.
    Aber eine Sache ist da eigentlich noch, gegen die ich mich wehre. Ich will das mal wieder am Lärm festmachen, weil es da am leichtesten erklären lässt. In dem Moment, wo ich sage, ich bin hochsensibel, liegt das Problem einzig und allein bei mir und nicht mehr bei den anderen. Die anderen benehmen sich ganz normal, nur ich bin diejenige, die darauf so empfindlich reagiert.
    Das lässt sich auch auf den Inhalt bei einem ganzen Teil dieser Fragen übertragen.
    Das kann und will ich für mich nicht akzeptieren und ich denke auch, dass das nicht der richtige Weg ist.
    Ich bin mir eigentlich auch nicht im Klaren darüber, wo mich so etwas hinbringen soll. Letztendlich ändere ich ja nichts an der vorhandenen Situation.
    Auf jeden Fall bringt es einen vielleicht auch ein Stück weiter, einfach mal darüber nachzudenken.
    Liebe Grüße
    Jutta

  6. Liebe Jutta,
    ich verstehe, was Du meinst und wie Du Dich fühlst. Ich danke Dir dafür, dass Du mir so ehrlich antwortest.

    Einige Deiner Punkte sehe ich etwas anders.
    Erst einmal würde ich es so formulieren, dass Hochsensible genauso „normal“ sind wie andere. Hochsensibiliät macht einen nicht schlechter als andere.
    Dann finde ich, dass Rücksichtslosigkeit nicht „normal“ ist und dass Geräuschempfindlichkeit nicht unnormal ist.
    Ich finde eher, dass Abgestumpfheit nicht normal ist.
    Andere Menschen nehmen sich einfach das Recht, laut zu sein, was meiner Meinung nach nicht okay oder normal, sondern egoistisch ist.

    Ich bin gerne hochsensibel, weil ich viel mehr wahrnehmen kann als andere. Ich bemerke Dinge, die andere übersehen. Ich freue mich über Kleinigkeiten, die andere noch nicht einmal bemerken. Ich finde Hochsensibilität ist eine Stärke. Eine Fähigkeit.
    Die meisten Künstler und Musiker sind hochsensibel.

    Ich möchte Dich noch einmal darin bestärken, dass das Problem nicht bei Dir liegt! Du hast die gleichen Rechte wie die anderen. Du magst es ruhig, genauso wie ich und viele andere. Und wir haben ein Recht auf Ruhe.
    Ich denke, es mangelt an Empathie ganz im allgemeinen. Keiner interessiert sich mehr für den anderen, wie es diesem geht. Handeln hat keine Konsequenzen, jeder macht was er will, ohne Verantwortung dafür zu tragen.
    Was ist das für eine Gemeinschaft, in der keiner mehr sozial handelt?
    Ich sehe das Problem in unserer Gesellschaftsstruktur.
    Ich verstehe nicht, warum einzelne unter der Masse leiden sollen, die nur noch an sich selbst denken kann.
    So will ich nicht leben. Ich empfinde Mitgefühl mit anderen Menschen. Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig mehr Respekt entgegen bringen.

    Die vorhandene Situation ändern… Ich wünsche mir, wir könnten da was ändern und man müsste das nicht alles so hinnehmen.

    Liebe Grüße,
    Abraxandria

  7. Liebe Sandra,
    ich habe noch ein wenig im Internet geforscht zum Thema HSP und ADHS und so einiges interessantes gefunden:

    https://www.adhspedia.de/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t

    „Gemeinsamkeiten und Unterschiede von ADHS und Hochsensibilität

    Obwohl es bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen zum Phänomen der Hochsensibilität und keine wissenschaftliche Vergleichsarbeit zu ADHS versus Hochsensibilität gibt, lassen sich doch aus der Erfahrung der praktischen therapeutischen Arbeit mit beiden Betroffenengruppen Gemeinsamkeiten und Unterschiede beschreiben.
    Gemeinsamkeiten

    Bei beiden Phänomenen kommt es (möglicherweise neurologisch bedingt) zu einer vermehrten Reizaufnahme mit erhöhter Stressintoleranz, Übererregbarkeit und Neigung zu emotionaler Instabilität. Ebenfalls bei beiden Phänomenen ist eine erhöhte Ablenkbarkeit zu beobachten – bei Hochsensibilität jedoch überwiegend bei äußerlicher Reizüberflutung und diversen gleichzeitigen äußeren Anforderungen.
    Unterschiede

    Die ADHS-typische Problematik in der Selbststeuerung (Aufmerksamkeitssteuerung, Handlungssteuerung etc.) und Selbstregulation ist nicht typisch für Hochsensibilität. Ebenso gehört zum Phänomen der HSP keine erhöhte Impulsivität im Sinne vorschnellen Handelns. Hochsensible Persönlichkeiten können in reizintensiven Settings durchaus unaufmerksam und ablenkbar sein. Wenn keine äußeren Reize und Ablenkungen vorhanden sind, gibt es in der Regel jedoch keine Aufmerksamkeitsprobleme. ADHS-Betroffene haben im Gegensatz dazu auch und gerade dann, wenn sie mit sich alleine sind, eine ebenso hohe Neigung zu Ablenkbarkeit und Unaufmerksamkeit.“

    Desweiteren habe ich noch diese schöne Seite gefunden, gegründet von Georg Parlow, einem sehr guten Autor über HSP:

    https://www.zartbesaitet.net/die-ezeitung-fur-hochempfindliche-menschen/hsp-oder-adhs/

  8. Ein interessanter Beitrag, bisher wusste ich nicht viel über Hochsensibilität, abgesehen davon, dass sie eben existiert. Bei zwei oder drei der genannten Merkmale finde ich mich auch, aber das geht sicher jedem so. Die meisten treffen auf mich nicht zu oder entsprechen sogar eher dem Gegenteil. Es hätte mich aber auch gewundert, denn ich hätte den Begriff mit mir nicht wirklich in Verbindung gebracht.

    Aber was ich eigentlich sagen will: Manchmal ist es einfach gut zu wissen, woran man ist und wie man sich selbst einschätzen kann. Egal ob bei dem Thema oder anderen, egal ob man dem ganzen einen Namen gibt – sich selbst zu verstehen hilft einem meist, auch mit äußeren Einflüssen besser umgehen zu können. Freut mich, dass du das geschafft hast!

  9. @Aniday:
    Ich freue mich zu hören, dass mein Beitrag interessant geworden ist. Es bedeutet mir viel, weil mir das Thema am Herzen liegt.
    Ich danke Dir für Dein Verständnis und Deine Anteilnahme. :)
    Ja, es ist wirklich hilfreich, mehr über sich zu erfahren. Ich kann mich so besser einschätzen und auch mit Situationen besser umgehen. Wenn man weiß, was los ist, dann kann man sich danach richten und Lösungen finden.
    Ich habe einen guten Umgang mit der Hochsensibilität finden können. Was mich sehr freut. Nun kann ich nämlich auch die vielen guten Seiten daran sehen und nutzen.

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