Bye Bye Bowie

Es tut weh, diesen Artikel zu schreiben. Dennoch muss auch ich Abschied nehmen von David Bowie, der mich so viele Jahre lang begleitet und beeinflusst hat. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben soll. Doch gerade als Fan sollte ich dies tun. Am Sonntag, den 10.01.2016 ist David Bowie im Alter von 69 Jahren an Krebs verstorben. Es kam sehr überraschend für mich, da erst kurz zuvor an seinem Geburtstag, den 08.01.2016 sein 25. Album Black Star veröffentlicht wurde. Es trifft mich hart, ich kann es nicht glauben. Eine Ära geht nun zu Ende.
Zeit um noch einmal zurück zu blicken…


Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich großer Bowie-Fan, mit allem was dazu gehört. Auslöser war der Film Labyrinth. Wo ich wie viele ständig dachte, Mensch Sarah, laß das blöde Baby, das eh nur nervt, und schnapp Dir diesen Koboldkönig!
Von Labyrinth war ich so begeistert, dass ich gar nicht mehr zählen kann, wie oft ich diesen Film geguckt habe. Oft genug, um alle Dialoge, wo Bowie mitspielt, auswendig zu lernen. Und das Buch zum Film habe ich auch verschlungen (Aus heutiger Sicht der reinste Mist).

Ach ja, Filme mit Bowie. Wir alle haben Der Mann, der vom Himmel fiel geliebt. Auch das kann ich heute nicht mehr verstehen, so ein langweiliger, endloser Film ohne Handlung. Aber Bowie sah toll aus, besonders auf dem Kinoposter in schwarz-weiß, das wir alle hatten. Was war wohl der beste Film mit ihm? Schauspielerisch hat er mich in Furyo Merry Christmas, Mr Lawrence beeindruckt.
Die besten Music Videos, finde ich, sind Life on Mars, Ashes to Ashes, Time Will Crawl, I’m afraid of Americans und die Videos zu Outside. Und am allerbesten sind natürlich seine Tour-Videos! Bowie live – genial.

25 Alben. Welche gefallen mir nun am besten? Mal überlegen… Ich denke: Hunky Dory, The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, Low, Scary Monsters, Outside, Heathen.

Nach dem legendären Kinobesuch von Labyrinth folgten dann so einige Konzertbesuche: 1987 die Glass Spider Tour, 1989 und 1991 Tin Maschine, 1990 die Sound and Vision Tour und schließlich 1996 ein Festivalbesuch, wo Bowie auftrat. Insgesamt 7 Konzerte, da ich auch in andere Städte für ihn reiste und so die Tour gleich zweimal besuchte. Konzerte waren aufregend. Endlich war Bowie zum Greifen nahe. Um in die erste Reihe zu kommen, reiste ich mit meiner Bowie-Freundin schon mittags an, um unter den ersten zu sein. Auch wenn die Türen erst abends geöffnet wurden. Dann hieß es den ganzen Tag nichts trinken und nur Bonbons lutschen, damit man nicht auf Clo muss und seinen Platz in der ersten Reihe verliert. Gegen 15.00 Uhr wurde unsere Ausdauer belohnt. Da war Sound Check und wir eifrigen Fans (immer nur eine Hand voll) durften einen Blick auf den großen angebeteten Künstler werfen, zuerst im Auto und dann wie er mit Band ins Gebäude ging. Und, kreisch, er winkte uns zu. Nach dem Konzert hieß es dann schnell als erste raus aus der Halle und zum Backstage Eingang und zuschauen, wie Bowie ins Auto steigt und wegfährt. Die ganz harten Fans fuhren dann noch zum Hotel. Hier bin ich dann aber abgesprungen. Dafür habe ich andere verrückte Sachen gemacht, wie zum Beispiel, seine Kippe, die beim Konzert runterfiel, aufzusammeln und später nach Konzertende aufzurauchen. Ja, dafür war es gut in der ersten Reihe zu stehen. Auch wenn ich heute dazu „Igitt“ sagen würde. Der Zigarettenstummel kam dann mit nach Hause und bekam einen Ehrenplatz.

Auf den Konzerten lernte ich eine Menge verrückter Fans kennen und konnte bald meinen Freundeskreis aus Bowie-Fans zusammenstellen.
Wir hatten alle Platten, manche sogar doppelt oder dreifach. Die Original-Ausgabe von RCA, die normale und die ausklappbare, dann noch die Ryco Disc, wegen unveröffentlichen Zusatzmaterial und weil die so schön durchsichtig grün war. Wir konnten tagelang nur Bowie hören, morgens bis abends. Das wurde nie langweilig. Man hat sich getroffen zu gemeinsamen Bowie Sit-Ins. Da liefen dann Videos non stop, Clips, Konzerte, Filme, Reportagen aus allen Bowie-Zeiten. Ich habe sogar mit meiner Freundin einen kleinen Bowie Fanclub gegründet.
 Aus einem größeren Fanclub, der sich im Internet abspielte, bin ich rausgeflogen, weil ich in London war und mir Bowie’s Geburtshaus angesehen habe, aber nicht die Telefonzelle, die auf der Ziggy Stardust Platte abgebildet ist. Ja, es gibt also noch viel verrücktere Fans, für die ich nicht gut genug war.
In Berlin war ich auch, das Haus angucken und im Treppenhaus herumschnüffeln. Dabei habe ich entdeckt, dass eines seiner Bilder ein Fenster aus seinem Treppenhaus darstellt. Ja, Bowie war nicht nur ein genialer Musiker, auch ein toller Schauspieler und Maler. Eigentlich wollte Bowie ja gar nicht Musiker werden, sondern Malen. Wie gut, dass er sich für die zweite Wahl entschieden hat und die erste Wahl später nachholte. Bowie verknüpfte vor allen gerne in seinen Videoclips alle seine Talente. Ich liebe seine Inzenierungen.

Durch Bowie lernte ich jede Menge andere Musiker zu schätzen wie Lou Reed und Velvet Underground, Iggy Pop, Pixies, Philip Glass, Psychedelic Furs, Brion Eno, Bauhaus, Talking Heads, Bob Dylan… Bowie hören war inspirierend. Auch brachte ich mir das Zeichnen selber bei, bis meine Bilder wirklich nach Bowie aussahen. Einige davon habe ich auch in diesen Blog gestellt. Bowie – für mich tat sich ein Universum auf. Es war mehr als nur Fan sein.

Wichtig für uns Fans war auch immer sein Geburtstag, den wir natürlich feierten, mit selbst gebackenen Kuchen, seinen Platten und einen seiner Filme oder Videos. Umso tragischer war es in diesem Jahr, sein Todestag nur zwei Tage nach seinem Geburtstag. Trotzdem freue ich mich für ihn, dass er seinen Geburtstag noch erleben durfte und auch die Veröffentlichung seines Album und die Reaktionen dadrauf.

Heute am Freitag, den 15.01.2016 ist in den Hansa Studios in Berlin seine Trauerfeier, ab 12.00 Uhr, für alle Fans und Interessierte, Eintritt frei. Ich habe wirklich überlegt dahin zu fahren.

Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich glaube es einfach nicht, dass ich mich nun hier von Bowie verabschieden muss. Als Abschiedssong haben ich einen seiner Titel herausgesucht: Time. Hier ein Ausschnitt aus der ersten Tour von ihm, die ich besucht habe.

David Bowie „Time“

Bye!

Bowie hat für uns seinen Abschiedsgruß hinterlassen, sein letztes Video: Lazarus. Es handelt von seinem Tod. Und mir kommen die Tränen, wenn ich ihn sehe und dem Text lausche…
Ja, spätestens jetzt wird mir klar, es ist wahr, David Bowie ist tot. Wie grausam ist es, das hier zu schreiben!
Ich weiß nicht, ob ich es ertragen kann, seine letzte Platte zu hören. Ich denke, das Thema ist klar. Auch sein voriges Video zu Black Star interpretiere ich jetzt anders.

Zum Abschied: David Bowie „Lazarus“

4 Kommentare

  1. claudy

    claudy schrieb am 15. Januar 2016 um 22:07

    ein schöner blogbeitrag zu david bowie, ich drück dich virtuell ganz doll :cat:

  2. Abraxandria

    Abraxandria schrieb am 17. Januar 2016 um 19:46

    @Claudy:
    Danke!!! :hearts: Das ist lieb, dass Du das schreibst! Das bedeutet mir viel!

  3. Malina

    Malina schrieb am 18. Januar 2016 um 23:14

    Dass David Bowie gestorben ist hat mich auch erschüttert. Er war ein toller Künstler.

    LG
    Malina!

  4. Abraxandria

    Abraxandria schrieb am 19. Januar 2016 um 18:36

    @Malina:
    Ja, das war er. So vielseitig. Beeindruckend.

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