Der Zen Garten
Ein Zenmeister trug seinem Schüler auf, den Garten des Klosters zu säubern. Der Schüler tat, wie ihm gehießen, und hinterließ den Garten in einwandfreiem Zustand. Doch war der Meister damit unzufrieden. Er erteilte seinem Schüler ein zweites und ein drittes Mal denselben Auftrag, bis der sich völlig entmutigt beschwerte:
“Aber Meister, in diesem Garten ist nichts mehr in Ordnung zu bringen, nichts mehr zu reinigen! Ich habe alles Nötige getan!”
“Und doch fehlt etwas”, erwiderte der Meister. Er schüttelte einen Baum, und ein paar Blätter segelten zu Boden.
“So, jetzt ist der Garten vollendet”, schloss er.
(aus “Der Finger und der Mond”, Alejandro Jodorowsky)


2 Kommentare
Nitya
Nitya schrieb am 8. Dezember 2009 um 06:55
Ich kenne die Geschichte von einem König, der bei seinem Gärtner (dem Zenmeister) in die Lehre geht. Als er nach vielen Jahren dem Meister zeigen will, was er gelernt hat, sieht er, wie sein Meister ganz traurig wird. Auf seine Nachfrage hin holt der Meister einen Haufen alter Blätter und wirft sie in den Wind, der sie über den ganzen Garten verteilt. “Jetzt lebt der Garten wieder!”, ruft der Meister vergnügt und hüpft vor Freude von einem Bein aufs andere.
In der Geschichte von Jodorowsky säubert der Schüler auftragsgemäß den Garten. Der Auftrag lautet nicht: Gestalte den Garten!
Abraxandria
Abraxandria schrieb am 10. Dezember 2009 um 21:21
Deine erste Geschichte gefällt mir!